Nouveaux Tableaux - Julien Heintz

Nouveaux Tableaux

About

Contemporary Fine Arts presents Nouveaux Tableaux, the first solo exhibition of French artist Julien Heintz at the gallery, opening on the occasion of Gallery Weekend Berlin 2026. Installed on the ground floor, the show brings together new oil paintings that look to the last century not for spectacle, but for the pressure that remains within its records.

Heintz uses photographs and documentary stills tied to episodes that marked Western culture, especially war and its aftermath. Yet he does not paint acts of cruelty directly. He turns instead to charged pauses and faces caught between events, attentive to the quiet weight that follows violence. What matters is not reconstruction for its own sake, but the possibility of handling trauma with care and restraint.

Several works take Walter Jackson Freeman II as a point of departure, the American neurologist who performed lobotomies for four decades. Heintz started from archival photographs of women labelled hysterical and deemed unfit for society. In those documents, their faces appear before and after the procedure. Many were not suffering from severe mental illness. In the artist’s treatment, clinical description gives way to an uneasy mode of witness. These are portraits shaped by what institutions project onto a body, and by what survives that imposition. Elsewhere, Russian soldiers in ushanka hats derive from prison imagery linked to Operation Barbarossa. Again, Heintz avoids illustration. He stays with the human presence inside the historical frame.

The visual sources often come from film footage, and that sense of suspended time endures within the work. Forms do not settle into certainty. Features seem to emerge and withdraw at once, as if the surface were holding a memory in motion. For Heintz, this is crucial. “I’m trying to capture that moment while respecting the atmosphere,” he says. Even when a figure is cropped, he insists on knowing the wider setting from which that person has been taken. Context may not be fully visible, but it governs the framing, giving each canvas its inner tension. The result is not fixed narrative, but a field of suggestion where intimacy and geopolitics are tightly bound.

That tension is also material. Before painting, Heintz prepares every support with a gesso of marble powder, rabbit-skin glue, and water. It is dense and mineral. It recalls fresco and the Quattrocento artists he has studied closely. Across it, oil builds in successive layers. The making of each work is slow and exacting. Heintz values craftsmanship and wants every piece to exist as a finely wrought object. Repetition is part of that discipline, but never as routine. Each attempt shifts. Each outcome carries a distinct tone. He likens the process to music composition, with different voices brought into relation until the whole begins to resonate. The labour is patient, almost meditative.

A spectral quality runs through Nouveaux Tableaux, though not in any gothic or uncanny way. It belongs to remembrance. Heintz approaches the past in order to ask what lingers, and how neglected stories bear on the world today. The exhibition invites immersion in that unstable territory where individual destinies meet larger forces. Nothing here is reduced to innocence or guilt alone. Each subject holds its own burden. Together, they open onto a broader register, letting viewers move between singular lives and a shared condition.

Text by Nicolas Vamvouklis

Contemporary Fine Arts präsentiert Nouveaux Tableaux, die erste Einzelausstellung des französischen Künstlers Julien Heintz in der Galerie, die anlässlich des Gallery Weekend Berlin 2026 eröffnet wird. Die Ausstellung im Erdgeschoss präsentiert neue Arbeiten, die sich dem vergangenen Jahrhundert nicht als Spektakel nähern, sondern aus der anhaltenden Spannung heraus, die in seinen Aufzeichnungen fortlebt.

Heintz bedient sich Fotografien und Standbildern aus Dokumentarfilmen, die mit prägenden Ereignissen der westlichen Kultur in Verbindung stehen, insbesondere mit Krieg und dessen Folgen. Dabei verzichtet er jedoch auf explizite Darstellungen von Gewalt. Stattdessen wendet er sich spannungsgeladenen Pausen und Gesichtern zu, die zwischen den Ereignissen eingefangen sind, und richtet sein Augenmerk auf die stille Schwere, die auf die Gewalt folgt. Es geht nicht um die Rekonstruktion um ihrer selbst willen, sondern um die Möglichkeit, mit Trauma behutsam und zurückhaltend umzugehen.

Mehrere Arbeiten nehmen Walter Jackson Freeman II als Ausgangspunkt, den amerikanischen Neurologen, der vier Jahrzehnte lang Lobotomien durchführte. Heintz geht von Archivfotos von Frauen aus, die als hysterisch eingestuft und für gesellschaftlich untauglich befunden wurden. In diesen Dokumenten sind ihre Gesichter vor und nach dem Eingriff zu sehen. Viele von ihnen litten nicht an schweren psychischen Erkrankungen. In der Bearbeitung des Künstlers weicht die klinische Beschreibung einer beunruhigenden Form der Zeugenaussage. Es sind Porträts, die von dem geprägt sind, was Institutionen auf einen Körper projizieren, und von dem, was diese Auferlegung überdauert. An anderer Stelle entstammen russische Soldaten in Uschanka-Mützen Gefängnisbildern, die mit der Operation Barbarossa in Verbindung stehen. Auch hier vermeidet Heintz jede Illustration. Er bleibt bei der menschlichen Präsenz innerhalb des historischen Rahmens.

Die visuellen Bezüge stammen häufig aus filmischem Material, und ein Gefühl angehaltener Zeit durchzieht das gesamte Werk. Formen finden keine endgültige Gestalt. Konturen scheinen gleichzeitig aufzutauchen und wieder zu verschwinden, als hielte die Oberfläche eine Erinnerung in Bewegung fest. Für Heintz ist dies von entscheidender Bedeutung. „Ich versuche, diesen Moment einzufangen und dabei die Atmosphäre zu respektieren“, sagt er. Selbst wenn eine Figur ausgeschnitten ist, legt er Wert darauf, den weiteren Kontext zu kennen, aus dem diese Person entnommen wurde. Der Kontext mag nicht vollständig sichtbar sein, aber er bestimmt die Bildkomposition und gibt jeder Leinwand ihre innere Spannung. Das Ergebnis ist keine festgelegte Erzählung, sondern ein Raum der Andeutungen, in dem Intimität und Geopolitik eng miteinander verflochten sind.

Diese Spannung ist auch materieller Natur. Vor dem Malen bereitet Heintz jeden Untergrund mit einem Gesso aus Marmorpulver, Kaninchenhautleim und Wasser vor. Es ist dicht und mineralisch und es erinnert an Fresken und an die Künstler des Quattrocento, mit denen er sich intensiv beschäftigt hat. Darüber legt sich Öl in aufeinanderfolgenden Schichten. Die Entstehung jedes Werks ist langsam und anspruchsvoll. Heintz schätzt handwerkliches Können und will, dass jedes Stück als fein gearbeitetes Objekt existiert. Wiederholung ist Teil dieser Disziplin, aber niemals als Routine. Jeder Versuch ist anders. Jedes Resultat hat einen eigenen Charakter. Er vergleicht den Prozess mit dem Komponieren von Musik, bei dem verschiedene Stimmen in Beziehung gesetzt werden, bis das Ganze zu schwingen beginnt. Die Arbeit ist geduldig, fast meditativ.

Eine gewisse gespenstische Atmosphäre durchzieht Nouveaux Tableaux, allerdings nicht im Sinne des Gotischen oder Unheimlichen. Sie ist der Erinnerung zuzuschreiben. Heintz wendet sich der Vergangenheit zu, um zu ergründen, was nachwirkt und welchen Einfluss vernachlässigte Geschichten auf die heutige Welt haben. Die Ausstellung lädt dazu ein, in jenes instabile Terrain einzutauchen, in dem individuelle Schicksale auf größere Kräfte treffen. Nichts hier lässt sich allein auf Unschuld oder Schuld reduzieren. Jedes Thema birgt seine eigene Bedeutung. Zusammen eröffnen sich dem Betrachter neue Perspektiven, die es ihm ermöglichen, zwischen einzelnen Leben und einer gemeinsamen Situation zu changieren.

Text: Nicolas Vamvouklis

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