Under the Spiky Sun - Zuzanna Bartoszek

Under the Spiky Sun

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UNDER THE SPIKY SUN

Don’t go out, sun has spikes! Stay at home or stay at night. Let’s keep the night for 24h a day, shoot the sun! We don’t need it, we have screens and lamps.. oh, cozy lamps! Besides that, sun gives me rush, you know? It’s like unfair. Can’t go to the beach, can you imagine. Unless mommy puts spf1000 sunscreen on me. She put so much I lost all hair one day. We can build the blanket bunker at home and pretend that we took fentanyl. Let’s take dad’s beer and pretend it’s fenty. I will bring it. Have a sip. Yeaa.. maan… How long have you been on the streets… Me? I am a sex prostitute. I don’t eat, I nourish myself with the red light. Wait, you’re not doing it right. You have to wrap yourself in a blanket, let me show you, and then fold fold fold, yea, like that, until your head turns violet and you forget the world outside.

Text by Zuzanna Bartoszek


Mit Träumen ist das so eine Sache: Sie haben immer eine Bedeutung, aber ist man auch in der Lage, diese zu entschlüsseln? Oder besser gesagt: Ist man bereit, aus der verworrenen Geschichte, die man gerade erlebt hat, Schlüsse zu ziehen? Und was passiert, wenn das, was sich traumhaft anfühlt, in Wirklichkeit kein Traum, sondern Realität ist?

Das sind nicht die Fragen, die ich zum Besuch von Zuzanna Bartoszek in ihrem Atelier in der Rijksakademie, Amsterdam bringe, sondern die Fragen, mit denen ich es verlasse.

Das Werk der Künstlerin steckt voller Elemente, die uns an der Realität zweifeln lassen: Gemälde von alienartigen Kindern, die an ihren Handys kleben, eine Sonne mit Stacheln, abstrahierte Spiegelungen aus Amsterdams Rotlichtviertel. Kurzgeschichten über eine Wohnung, die nur aus bedrucktem Stoff besteht, den Überlebenskampf eines sterbenden Fischs und darüber, sich vor der Sonne zu verstecken und so zu tun, als würde man Fentanyl konsumieren.

„Sie mögen abstrakt wirken, aber die Geschichten spiegeln immer etwas wider, das ich gefühlt oder gesehen habe“, erzählt die Künstlerin. Die Verbindung zum Surrealismus scheint offensichtlich; die Verschmelzung von Realität und Traum zu einer Surrealität, die André Breton 1924 in seinem Surrealistischen Manifest bekanntlich forderte. Auf diese Verbindung angesprochen, zeigt sich Bartoszek jedoch nicht überzeugt: „Träume sind etwas sehr wichtiges für mich und ich empfinde meine Arbeit als sehr traumhaft, aber ich versuche nicht Neues zu erschaffen – wie im Surrealismus –, nichts außerhalb von mir selbst. Ich suche nach Metaphern.“

Diese Verschmelzung von Realität und Metapher zieht sich durch ihre gesamte schriftstellerische und malerische Praxis. Ein genauerer Blick auf ihren Text Under the Spiky Sun, der ihre gleichnamige Ausstellung bei Contemporary Fine Arts, Basel, begleitet, verdeutlicht den metaphorischen Zugang der Künstlerin zur Verarbeitung persönlicher Realität und alltäglicher Beobachtungen. Er bringt all die scheinbar unzusammenhängenden Elemente der in der Ausstellung versammelten Werke zusammen: die stachelige Sonne, Fentanyl, Babys, Bildschirme und Lampen.

Schon als Kind war zu Hause zu bleiben ein großer Teil ihres Lebens – lieber zog sie sich zum Zeichnen zurück, als mit Freunden draußen zu spielen. Verstärkt wurde dies durch eine Autoimmunerkrankung, die im Alter von zwölf Jahren dazu führte, dass die Künstlerin ihr Haar verlor. Für Bartoszek hat die Sonne also wirklich Stacheln. Ihre hochempfindliche Haut verbietet es ihr, sie zu genießen.

Aus dieser Erfahrung heraus begann die Künstlerin, ein Tagebuch zu führen – der Ursprung ihrer schriftstellerischen Praxis und die Grundlage ihres fortwährenden Bedürfnisses, sich auf Papier auszudrücken.

Die Außenwelt jedoch wird von der Künstlerin nicht übersehen. Beobachtungen finden den Weg in ihr Denken, vermischen sich mit ihren Gedanken und ihrer Arbeit, machen diese multiperspektivisch – größer als sie selbst.

Auf die Frage, ob sie beim Malen und Schreiben aktiv versuche, andere Perspektiven einzunehmen, antwortet sie: „Ja. Das ist für mich etwas sehr Natürliches. Meine Mutter war eine große Empathin. Sie hat mich so erzogen, dass es mir leicht fällt, die Perspektive eines anderen Menschen einzunehmen.“

Während sie in Berlin lebte, begegnete die Künstlerin Menschen, die auf der Straße Fentanyl konsumierten. Ein Anblick, an dem die meisten Menschen vorbeieilen, findet Einweg in ihre Gemälde und Texte. Sie begegnet ihnen dabei nicht wertend, sondern mit einer sensiblen Neugier.

Vielleicht ist gerade dieses Zusammenspiel aus Empathie und Introspektion die Quelle für Bartoszeks tief verwurzeltes Bedürfnis, Kunst zu machen – in ihre eigene Welt zu flüchten, in der Erlebtes verarbeitet wird und Erfahrungen zu Metaphern werden. „Ich glaube, deshalb muss ich mich verstecken, beziehungsweise in diesen Schutzraum außerhalb der Gesellschaft – mein Atelier – zurückziehen. Meine Praxis ist sehr einsam, und ich habe diese Einsamkeit immer beschützt. Sie ist mir sehr kostbar.“

Wenn sie dann alleine ist und die Zeit zum Malen kommt, geht alles sehr schnell. Die angestauten Emotionen erzeugen eine Dringlichkeit, die zu gestischen, intuitiven Arbeiten führt. Die Arbeit mit verdünnter Farbe ermöglicht eine schnelle, intuitive Umsetzung der Bilder in ihrem Kopf. „Ausdruck statt Erzählung“, wie die Künstlerin es formuliert. Für sie ist der Malprozess nicht das Festhalten fertiger Gedanken auf der Leinwand, sondern ein aktiver Teil der Reflexion. Erfahrungen werden nicht verarbeitet, indem sie akribisch abgebildet werden, sondern durch ein Zusammenspiel mit dem Zufall, das Bedeutung erweitert und neue Perspektiven und Metaphern entstehen lässt.

Sichtbar wird das etwa im Gemälde Kids and Phones (2026). Der befremdliche und zugleich vertraute Anblick von Kindern, die wie hypnotisiert auf Bildschirme starren, dient Bartoszek als Ausgangspunkt für dieses stark gestische Porträt. Seine expressive, man könnte fast sagen „eskapistische” Ausführung zeichnet sich durch eigentümliche Merkmale aus: die totenkopfartigen Gesichter, die an eine Matrjoschka erinnernde Darstellung der Figur links, das wiederkehrende Blau im Handy eines Kindes, im Gesicht eines anderen und in der gekrümmten Form in der oberen linken Ecke.

Was schnell als klare Kritik an ihrem Sujet abgetan werden könnte, wird zu etwas Größerem und öffnet sich einem Meer an Assoziationen: Science-Fiction, digitaler Eskapismus, apokalyptische Zukunftsvisionen. Bei genauerem Hinsehen strahlt die Szenerie aber genauso ein Gefühl von Geborgenheit und Fürsorge aus. Der expressive Hintergrund umhüllt die Figuren auf eine Weise, die zwischen Fegefeuer und der Wärme einer Decke changiert.

Es ist genau diese Diskrepanz zwischen der Klarheit des Sujets und der Vielfalt möglicher Deutungen, die charakteristisch für Bartoszeks Werk ist. Auf die Frage, welche Parallelen sie zwischen ihrer Malerei und ihrem Schreiben sieht, verweist Bartoszek genau auf diese „Fluidität“ – was spontane, lockere Pinselstriche für ihre Gemälde sind, ist ein wandelbares lyrisches „Ich“ für ihre Texte. Das Ergebnis ist eine einzigartige Verschmelzung persönlicher und zeitgenössischer Elemente in ihrem Werk, die uns Metaphern liefert, aber keine Bedeutung vorgibt.

Text: Jonas Sanden


The thing about dreams is: they always have a meaning. Are you able to decipher that meaning though? Or rather, are you willing to try and make something out of the unhinged story you were just part of? And what happens when the oneiric is actually not a dream but reality? 

These are not the questions I bring to Zuzanna Bartoszek’s studio at Rijksakademie, Amsterdam but the ones I leave with. 

The artist’s work is full of elements that make you question reality: Paintings showing alien-like children glued to their phones, a sun with spikes, abstracted reflections in Amsterdam’s red light district. Short stories about an apartment made up only from printed fabric, a dying fish’s struggle, hiding from the sun, pretending to do fentanyl.

“It may seem abstract but there is usually a quality in the stories that reflects how I feel or what I saw”, the artist tells me. The link to Surrealism seems obvious; the fusion of reality and dreams into a surreality that Andre Breton famously demanded in his 1924 Surrealist Manifesto. When asked about this connection, Bartoszek, however, is not convinced: “Dreams are very important to me and I consider my work very dreamlike, but I’m not trying to make up things – like the surrealists did – and create something apart from myself, I’m looking for metaphors”

This fusion of reality and metaphor, so to speak, runs through both her writing and painting practice. A closer look at her text Under the Spiky Sun, accompanying her eponymous exhibition at Contemporary Fine Arts, Basel, illustrates the artist’s metaphoric approach to processing personal reality and daily observations. It brings together all the seemingly unrelated elements present in the exhibition’s paintings: the spiky sun, fentanyl, babies, screens and lamps.

Staying at home has always been a big part of her life since she was a child – preferring to draw in solitude over going out to play with friends. This was only reinforced by the development of autoimmune diseases at the age of 12 that caused the artist to lose all her hair. Thus, for Bartoszek, the sun really has spikes. Her highly sensitive skin forbids her from enjoying it. 

Out of this experience, the artist started writing a diary – the origin of her writing practice and the foundation of an ongoing need for self-expression on paper.

The outside world, however, is not overlooked by the artist. Observations find their way into her thinking, mixing into her thoughts and work, rendering it multi-perspectival – bigger than herself.  

Asked if she actively tries to take other perspectives when painting and writing, she replies: “I do. It’s something very primal for me. My mother was a huge empath. She raised me so that seeing something from someone else’s perspective comes easily to me.”

When living in Berlin, the artist encountered people on fentanyl on the street. A sight most people hurry to get by finds a way into her paintings and writing. She faces them not in a judgemental way, but with a sensitive curiosity.

Perhaps it is this interplay of empathy and introspection that is the source of Bartoszek’s intrinsic need to create, to escape into her own world where life is processed and experiences become metaphors. “I think that’s why I need to hide myself or to find this shelter outside of society, which is my studio. My practice is very lonely and I’ve always been protecting this loneliness. It’s something very precious to me.”

When she is alone and it’s time to paint, everything happens fast. The accumulated emotions have created urgency, resulting in gestural and intuitive works. The use of diluted paint allows for a quick, intuitive rendering of the images in her head. “Expression instead of narration,“ as the artist puts it. To her, the process of painting is not about capturing finished thoughts on canvas but an active part of reflection. Experiences are not processed through meticulously portraying them but through a conversation with chance, opening up meaning, allowing for new perspectives and metaphors to emerge.

This is visible in the painting Kids and Phones (2026), for example. The odd and simultaneously familiar sight of children hypnotised by screens serves Bartoszek as a point of departure for this highly gestural portrait. Its expressive, one might even say “escapist” execution is marked by peculiar features: the skull-like faces, the matryoshka-like rendering of the figure on the left, the repeated blue in one child’s phone, another’s face, and the warping shape in the upper left corner.

What could be quickly dismissed as a clear critique of her subject becomes something bigger, opening onto a sea of associations: science fiction, digital escapism, apocalyptic futures. Looking closer, the scenery also emits a sheltered, caring feeling. The expressive background envelops the figures in a way that hovers between purgatory and the warmth of a blanket.

It is this dichotomy between clarity of subject and manifold means of interpretation that is characteristic of Bartoszek’s work. When asked about what parallels she sees between her painting and writing, Bartoszek refers to exactly this “fluidity” – what spontaneous and loose brushstrokes are to her paintings is changing lyrical “I’s” to her texts. The result is a unique merger of personal and contemporary elements in her work, providing us with metaphors but not fixed meaning. 

Text by Jonas Sanden

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