Contemporary Fine Arts presents Had a Farm, a solo exhibition by Travis MacDonald opening on the occasion of Gallery Weekend Berlin 2026. The show occupies the upper floor of the gallery and brings together new paintings that extend his ongoing inquiry into countercultural aesthetics. For the artist, this process filters research through lived experience. What begins as study turns into narration.
Across these works, long-haired androgynous figures inhabit a setting suspended between rural life and subcultural staging. Rooted in hippie movements, these protagonists also function as analogues of the artist himself. MacDonald has often returned to this kind of figure, interested in how self-portraiture can drift toward persona. Hair operates on several levels here. It carries associations of style and refusal, but it is equally bound to the material demands of his method. Wet oil descends under gravity, lending contour to each body and to the atmosphere around it. The result is an elongation that echoes the romantic spirit of Art Nouveau, with its affinity for elegance and ghostly sensuality.
The title Had a Farm introduces the exhibition with wit, giving the artist’s name an almost folkloric ring. Yet MacDonald is clear that “the farm is not to be taken literally.” Instead, it becomes a frame for cultivation, whether of a practice, an ideology, or even hair itself. The paintings unfold in an imagined settlement, based on photographic archives of experimental communes from the 1970s, many established in disused farms or small towns. From that source, he builds scenes shaped by proximity and friction, and by the wish to (co)exist otherwise.
Before the brush meets the canvas, MacDonald writes a script and assembles a storyboard. The premise is simple: amid a housing crisis, young, educated people relocate to a provincial area, where they encounter conservative residents whose families have been there for generations. The clash is both cultural and political. MacDonald approaches it obliquely. He does not reduce it to a slogan. Rather, he selects intimate episodes and small but revealing gestures, rendering them as compositions whose natural, earthy palette keeps the drama grounded.
These paintings draw on Pier Paolo Pasolini’s 1973 essay Il discorso dei capelli, published in English as The Hippies’ Speech. MacDonald responds to Pasolini’s understanding of appearance as a political sign and to the responsibility of paying attention to one’s surroundings. The reference feels timely. Without making the works direct statements, he suggests a quiet parallel between past expressions of nonconformity and the current rise of authoritarian thinking. Care, in this context, is not softness. It is an ethic of alertness.
What emerges in Had a Farm is a world with its own logic. MacDonald has developed this language over time, using it as a vehicle for storytelling and observation. Here, it grows sharper and more decisive. The show invites viewers into a charged social space where identification remains open and belonging stays provisional. It is a place of attraction and unease. The pull of a group is palpable, as is the strain that shadows any departure from the norm. These paintings do not offer escape. They ask how closeness can hold under pressure, and whether something larger than the self might still be forged.
Text by Nicolas Vamvouklis
Contemporary Fine Arts präsentiert Had a Farm, eine Einzelausstellung von Travis MacDonald, die anlässlich des Gallery Weekend Berlin 2026 eröffnet wird. Die Ausstellung im Obergeschoss der Galerie versammelt neue Arbeiten, die seine kontinuierliche Auseinandersetzung mit der Ästhetik der Gegenkultur weiterführen. Für den Künstler bedeutet dieser Prozess, dass er seine Recherchen durch gelebte Erfahrung verdichtet. Was als Studie beginnt, entfaltet sich zu einer Erzählung.
In diesen Werken bewegen sich langhaarige, androgyne Figuren in einer Umgebung, die zwischen ländlichem Leben und subkultureller Inszenierung schweben. Diese Protagonisten mit Wurzeln in der Hippie-Bewegung, fungieren auch als Alter Egos des Künstlers selbst. MacDonald beschäftigt sich mit dieser Art von Figuren, da ihn interessiert, wie Selbstporträts unterschiedliche Rollen annehmen können. Das Haar spielt hier auf mehreren Ebenen eine Rolle. Es weckt Assoziationen von Stil und Widerstand, ist aber gleichermaßen an die materiellen Anforderungen seiner Technik gebunden. Nasses Öl fließt der Schwerkraft folgend herab und verleiht jedem Körper sowie der ihn umgebenden Atmosphäre Kontur. Das Ergebnis ist eine fortgeführte Entwicklung, die den romantischen Geist des Jugendstils aufgreift – mit seiner Neigung zu Eleganz und einer subtilen, beinahe geisterhaften Sinnlichkeit.
Der Titel Had a Farm führt mit einem Augenzwinkern in die Ausstellung ein und verleiht dem Namen des Künstlers einen beinahe folkloristischen Klang. MacDonald betont jedoch, dass „die Farm nicht wörtlich zu verstehen ist“. Vielmehr dient sie als Rahmen für Prozesse der Kultivierung – sei es einer Praxis, einer Ideologie oder sogar des Haares selbst. Die Bilder entfalten sich innerhalb einer imaginären Siedlung, die auf Fotoarchiven experimenteller Kommunen der 1970er Jahre basiert, von denen viele auf stillgelegten Bauernhöfen oder in Kleinstädten entstanden. Davon ausgehend entwickelt er Szenen, die von Nähe und Reibung ebenso geprägt sind wie von dem Wunsch, auf andere Weise zusammenzuleben.
Bevor der Pinsel die Leinwand berührt, entwickelt MacDonald ein Drehbuch und ein Storyboard. Die Prämisse ist einfach: Inmitten einer Immobilienkrise ziehen junge, gebildete Menschen in eine ländliche Region, wo sie auf konservative Bewohner treffen, deren Familien dort seit Generationen verwurzelt sind. Der Konflikt ist sowohl kultureller als auch politischer Natur. MacDonald nähert sich ihm jedoch auf indirekte Weise. Er reduziert ihn nicht auf eine zugespitzte Formel, sondern wählt intime Episoden und kleine, aufschlussreiche Gesten, die er in Kompositionen überführt, deren natürliche, erdige Farbpalette das Geschehen bewusst erdet.
Die Bilder greifen auf Pier Paolo Pasolinis Essay Il discorso dei capelli aus dem Jahr 1973 zurück, der auf Englisch unter dem Titel „The Hippies’ Speech“ erschienen ist. MacDonald setzt sich mit Pasolinis Verständnis von Erscheinungsbild als politischem Zeichen und mit der Verantwortung auseinander, der eigenen Umgebung Aufmerksamkeit zu schenken. Der Bezug erscheint aktuell. Ohne dass die Werke direkte Aussagen treffen, deutet er eine stille Parallele zwischen früheren Ausdrucksformen der Nonkonformität und dem gegenwärtigen Aufkommen autoritären Denkens an. Achtsamkeit ist in diesem Zusammenhang keine Sanftheit. Sie ist eine Ethik der Wachsamkeit.
Was sich in Had a Farm offenbart, ist eine Welt mit eigener Logik. MacDonald hat diese Sprache im Laufe der Zeit entwickelt und nutzt sie als Mittel zum Erzählen und zur Beobachtung. Hier wird sie prägnanter und entschlossener. Die Ausstellung führt die Betrachter in einen spannungsgeladenen sozialen Raum, in dem Identifikation offen bleibt und Zugehörigkeit vorläufig ist. Es ist ein Ort der Anziehungskraft und des Unbehagens. Der Sog der Gruppe ist deutlich zu spüren, ebenso wie die Anspannung, die jede Abweichung von der Norm begleitet. Diese Bilder bieten keine Fluchtmöglichkeit. Sie fragen, wie Nähe unter Druck bestehen kann und ob sich dennoch etwas Größeres als das Selbst herausbilden kann.
Text: Nicolas Vamvouklis