85 Stufen, wenig Verkehr, eine eigentümliche Stille: Der Titel «Zu Gast in einer Strasse» ist einer Kolumne der Basler National-Zeitung aus dem Jahr 1974 entlehnt, die das Totengässlein als einen Ort beschreibt, der sich dem schnellen Durchgang entzieht. Eine etwas versteckte Gasse, die Begegnungen schafft und dabei ihre historische und atmosphärische Dichte
bewahrt.
In dieser Strasse befindet sich das Haus im Totengässlein 5, in dem einst Erasmus von
Rotterdam wohnte. Wo heute die Galerie im Erdgeschoss zeitgenössische Kunst zeigt, befindet sich im Keller ein Loch, welches – laut der Kolumne – eine Verbindung zum Nebenhaus, wo das heutige Pharmaziemuseum liegt, herstellte. Hier soll Erasmus seine Texte Johann Froben
zum Buchdruck in seine Werkstatt übergeben haben. Das Haus, sowie die Strasse, sind
geprägt von diesen sichtbaren und unsichtbaren Spuren.
Vor diesem vielschichtigen Hintergrund versammelt die Ausstellung acht junge Positionen aus der Schweizer Kunstszene, welche auf unterschiedliche Weise Fragen von Wert, Macht, Geschichte und Sichtbarkeit verhandeln: Themen, die sich wie Sedimente in den Wänden des Hauses abgelagert haben. Es entfaltet sich ein Raum, in dem Geschichte nicht abgeschlossen ist, sondern weiterarbeitet – als Echo und Übergang.
85 steps, barely any traffic, an odd stillness: the title “Zu Gast in einer Strasse” is borrowed from a column published in the Basler National-Zeitung in 1974. It describes the Totengässlein as a place that resists rushed passage. A somewhat hidden alley that enables encounters, while preserving its historical and atmospheric density.
Located on this street is the house at Totengässlein 5, once home to Erasmus of Rotterdam. On the ground floor, the gallery presents contemporary art today, while underneath a hole in the basement once created – according to the column – a link to the neighbouring building, where today’s Pharmacy Museum is located. Here, Erasmus is said to have passed his texts to Johann Froben to print in his workshop. Both the house and the street are shaped by these visible and invisible traces.
Against this multifaceted backdrop, the exhibition brings together eight young positions from the Swiss art scene, each engaging through different formats with questions of value, power, history, and visibility – themes that have settled like sediments in the walls of the house.
A space unfolds in which history is not concluded, but continues to operate – as echo and
passage.