Crimson and Clover - Anna Tuori

Crimson and Clover

About

Contemporary Fine Arts presents Crimson & Clover, the first solo exhibition by Finnish artist Anna Tuori at the Basel gallery. Its title borrows from the 1968 song by Tommy James and the Shondells, carrying a note of sweetness touched by tension. That tone is close to Tuori’s practice, where warmth never comes without unease and beauty is often shadowed by disturbance.

Tuori’s work begins from the unstable texture of the present. She follows the news and absorbs what surrounds her, letting that pressure settle before it finds form. “The world is so absurd that it feels like fiction.” This sense of distance, where reality slips toward illusion, is not translated literally. It is the condition from which the image takes shape. Painting offers a way to hold conflict without resolving it too quickly. Wit, violence, intimacy, and fragility coexist without settling into a single meaning.

Her process begins with color and composition rather than with a statement. She approaches painting in a more abstract mode, allowing rhythm to guide the work before figures or objects come into view. Restlessness lingers, yet resists explanation. Colour sinks into the canvas, creating an immaterial depth, while thicker layers of oil push outward with tactile density. Each work emerges through a subtle negotiation: one movement withdraws, another insists.

A dialogue with the history of painting runs through the exhibition. Tuori is attentive to still life, especially the memento mori, yet she does not construct direct vanitas quotations. Her relation to tradition is broader and more organic. It emerges through weight, atmosphere, and the emotional temperature of each scene. Her paintings ask how mortality inhabits ordinary life, and how one lives with that knowledge amid comfort. There is an existential undertow here, but also empathy. The works retain tenderness even when they address harsh subjects.

Animals such as cows, deer, and cats recur in these paintings. They stand in for the human body, though in a depersonalized way. Through them, vulnerability becomes easier to share. This leaves space for projection without directing us toward a fixed identity. The animals appear lifeless, suspended upside down. Their carcasses hang with full mass, making gravity visible. This arrangement recalls classical still life while intensifying the emotional charge.

In Noble and Tragic (2025), the motif is brutal, but the palette and framing feel intimate, almost domestic. This tension is central to the artist’s vision. Horror sits within a setting of care. Other objects and decorative elements complete the staging, as if fragments of different times had gathered in one place. We follow these clues without being told what conclusion to reach. Even the bare borders mark a limit, reminding us that this is only one way of seeing.

When It Happened Again (2025) shows a deer rendered through minimal brushstrokes, as if whispering across the linen. Its title suggests a loop in which the past returns because it was not fully learned. Finally, Simply Another Sunday Morning (2025) faces the world through a window. Nature seems to enter the room. A floating hand paints, while Lady Justice hovers between witness and hope. It is an image of longing, and of possibility.

Crimson & Clover invites reflection without closure. What matters here is not the isolated detail, but the larger constellation each work holds in play, where what can be named meets what still exceeds language.

Text by Nicolas Vamvouklis

Contemporary Fine Arts präsentiert mit Crimson & Clover die erste Einzelausstellung der finnischen Künstlerin Anna Tuori in der Basler Galerie. Der Titel ist dem Song Crimson and Clover (1968) von Tommy James and the Shondells entlehnt und evoziert eine Lieblichkeit, die zugleich von Spannung durchzogen ist. Dieser Unterton entspricht Tuoris Schaffen, in dem Wärme stets mit Unbehagen einhergeht und Schönheit oft von Unruhe überschattet wird.

Ihre Arbeit geht von der instabilen Beschaffenheit der Gegenwart aus. Tuori verfolgt die Nachrichten und nimmt ihre Umgebung in sich auf, lässt diesen Druck erst einmal sacken, bevor er Gestalt annimmt. „Die Welt ist so absurd, dass sie sich wie Fiktion anfühlt.“ Dieses Gefühl der Distanz, bei dem die Realität in die Illusion übergeht, wird nicht direkt übersetzt. Es ist der Zustand, aus dem das Bild Gestalt annimmt. Die Malerei bietet eine Möglichkeit, Konflikte festzuhalten, ohne sie zu voreilig zu lösen. Witz, Gewalt, Intimität und Zerbrechlichkeit koexistieren, ohne sich auf eine einzige Bedeutung festzulegen.

Tuoris Schaffensprozess beginnt eher mit Farbe und Komposition als mit einer Aussage. Sie nähert sich der Malerei auf abstrakte Weise und lässt sich vom Rhythmus leiten, bevor Figuren oder Objekte sichtbar werden. Eine Unruhe schwebt im Raum, entzieht sich jedoch jeglicher Erklärung. Die Farbe versinkt in der Leinwand und schafft eine immaterielle Tiefe, während dickere Ölschichten mit ihrer greifbaren Dichte nach außen drängen. Jedes Werk entsteht durch ein subtiles Wechselspiel: Eine Bewegung zieht sich zurück, eine andere drängt nach vorne.

Ein Dialog mit der Geschichte der Malerei zieht sich durch die Ausstellung. Tuori widmet sich dem Stillleben, insbesondere dem Memento mori, ohne jedoch direkte Vanitas-Zitate zu konstruieren. Ihr Verhältnis zur Tradition ist umfassender und organischer. Es zeigt sich in der Schwere, der Atmosphäre und der emotionalen Stimmung jeder einzelnen Szene. Ihre Bilder fragen danach, wie Sterblichkeit das alltägliche Leben durchdringt und wie wir mit diesem Wissen leben, während wir von Behaglichkeit umgeben sind. Hier liegt eine existenzielle Tendenz zugrunde, aber auch Empathie. Die Werke bewahren ihre Zärtlichkeit, selbst wenn sie sich mit harten Themen auseinandersetzen.

Tiere wie Kühe, Hirsche und Katzen tauchen in diesen Gemälden immer wieder auf. Sie stehen stellvertretend für den menschlichen Körper, wenn auch auf entpersonifizierte Weise. Durch sie lässt sich Verletzlichkeit leichter mitteilen. Dies schafft Raum für Projektionen, ohne uns auf eine bestimmte Identität festzulegen. Die Tiere wirken leblos, kopfüber aufgehängt. Ihre Körper hängen in ihrer ganzen Masse herunter und machen die Schwerkraft sichtbar. Diese Anordnung erinnert an klassische Stillleben, während sie gleichzeitig die emotionale Wirkung verstärkt.

In Noble and Tragic (2025) ist das Motiv brutal, doch die umgebende Farbpalette und die Bildkomposition wirken intim, fast schon heimelig. Diese Spannung steht im Mittelpunkt der künstlerischen Vision. Der Horror ist eingebettet in eine Atmosphäre der Fürsorge. Weitere Objekte und dekorative Elemente vervollständigen die Inszenierung, als hätten sich Fragmente verschiedener Zeiten an einem Ort versammelt. Wir folgen diesen Hinweisen, ohne dass uns gesagt wird, zu welchem Schluss wir kommen sollen. Auch die blanken Ränder markieren eine Grenze und erinnern uns daran, dass dies nur eine Sichtweise ist.

When It Happened Again (2025) zeigt ein Reh, das mit minimalen Pinselstrichen dargestellt ist, als würde es durch die Leinwand hindurch flüstern. Der Titel deutet auf eine Endlosschleife hin, in der die Vergangenheit wiederkehrt, weil aus ihr keine vollständigen Lehren gezogen wurden. Schließlich blickt Simply Another Sunday Morning (2025) durch ein Fenster auf die Welt. Die Natur scheint in den Raum einzutreten. Eine schwebende Hand malt, während „Lady Justice“ zwischen Zeugin und Hoffnung steht. Es ist ein Bild der Sehnsucht und der Möglichkeiten.

Crimson & Clover wirft Fragen auf, ohne abschließende Antworten zu geben. Was hier zählt, ist nicht das einzelne Detail, sondern die übergeordnete Konstellation, die jedes Werk in sich birgt – dort, wo das Benennbare auf das trifft, was die Sprache noch übersteigt.

Text: Nicolas Vamvouklis

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