Contemporary Fine Arts is pleased to collaborate with the ACT Art Collection on this special exhibition by Katja Strunz.
Siggi Loch presents Aus den Augen, aus dem Sinn, a solo exhibition by German artist Katja Strunz, opening during Berlin Art Week 2026 at his private gallery in Grunewald. Set within the Oskar Kaufmann-designed villa, it brings together paintings and works on paper alongside sculptures. It marks the first occasion on which an artist has been asked to develop a comprehensive project in the residence, making this intimate setting accessible to the public.
The house contains Loch’s distinguished postwar and contemporary collection while also hosting concerts for small audiences. Founder of ACT Music and one of Germany’s legendary record producers, he has supported creative culture for decades. His acquisitions began in the 1970s and have followed an instinctive path, sparked by meetings with figures he felt captured the zeitgeist. A longstanding friendship with Strunz grew from this same spirit of curiosity and trust. Several pieces by her are already part of his holdings, among them a special commission.
That dialogue extends to the label. Across almost 1,000 ACT releases over the past 35 years, covers have often drawn on the collection, linking visual art and sound. Strunz’s renowned pulp paintings have appeared on a number of these albums. Here, visitors can encounter the originals at full scale, some of which were used for recordings by Johanna Summer, whose practice moves between jazz and classical traditions. On Sunday 13 September, Summer will perform inside the show, carrying the exchange into a live situation.
The title is a proverb translating as “Out of sight, out of mind.” The phrase describes a familiar condition: what leaves the field of vision can quickly disappear from attention. For Strunz, it serves as a lens through which to consider today’s accelerated temporality, where novelty constantly displaces what came before. Her approach examines how this speed affects our surroundings. As duration intensifies, volume contracts or folds inward, producing what she calls a “post-traumatic compression of space and time.”
More recently, that logic begins to reverse. She speaks of unfolding, letting something emerge. Faced with a darker reality, the possibility of projecting future visions acquires urgency without ignoring existing gravity. Are We Enfolding or Going to Unfold (2022), a large powder-coated steel construction, gives this tension physical shape. Its geometry carries a sense of motion while asking whether a structure closes in on itself or leaves room for others. Expansion becomes an active proposition, an invitation for events to occur.
Music has informed her sensibility since childhood. She sang ecclesiastical repertoire in choirs, listening to voices reverberate through church architecture and feeling connected with earlier generations. Piano training later guided her understanding of abstraction and composition while studying fine arts. That discipline remains visible in a precise method where addition and subtraction are carefully calibrated to reach equilibrium.
Shift (2012) takes these concerns elsewhere. The collage uses a black-and-white reproduction of The Last Judgment, attributed to Flemish painter Hans Memling and dated between 1467 and 1471. Focusing on Eve, Strunz translates the biblical expulsion into an emotional terrain defined by fear and the trauma of falling. A canonical image is recast through her own language, rendering inherited history unstable yet newly immediate.
Throughout the exhibition, what has passed is never treated as safely behind us. Strunz asks where it goes and what is lost when consciousness is fixed on the next step. She proposes presence as a skill, establishing a more attentive relation to memory while leaving what may come open. The visitor is ultimately invited to slow perception, linger with each form and notice what might otherwise vanish.
Text by Nicolas Vamvouklis
Contemporary Fine Arts freut sich, anlässlich dieser Sonderausstellung von Katja Strunz mit der ACT Art Collection zusammenzuarbeiten.
Siggi Loch präsentiert Aus den Augen, aus dem Sinn, eine Einzelausstellung der deutschen Künstlerin Katja Strunz, die während der Berlin Art Week 2026 in seiner privaten Galerie in Grunewald eröffnet wird. Die Ausstellung findet in der von Oskar Kaufmann entworfenen Villa statt und vereint Gemälde und Arbeiten auf Papier sowie Skulpturen. Es ist das erste Mal, dass eine Künstlerin gebeten wurde, in der Residenz ein umfassendes Projekt zu entwickeln und damit diesen intimen Rahmen der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.
Das Haus beherbergt Lochs herausragende Sammlung von Kunst der Nachkriegszeit und der Gegenwart und dient zugleich als Veranstaltungsort für Konzerte vor kleinem Publikum. Als Gründer von ACT Music und einer der legendären deutschen Musikproduzenten fördert er seit Jahrzehnten die kreative Kultur. Seine Sammeltätigkeit begann in den 1970er Jahren und folgte stets einer intuitiven Linie, angestoßen durch Begegnungen mit Persönlichkeiten, in denen er den Zeitgeist verkörpert sah. Auch die langjährige Freundschaft mit Strunz entsprang diesem Geist der Neugier und des Vertrauens. Mehrere ihrer Werke gehören bereits zu seiner Sammlung, darunter eine eigens in Auftrag gegebene Arbeit.
Dieser Dialog erstreckt sich auch auf das Plattenlabel. Bei fast 1.000 Veröffentlichungen von ACT in den vergangenen 35 Jahren griffen die Covergestaltungen häufig auf die Sammlung zurück und verbanden so bildende Kunst mit Klang. Strunz’ bekannte Pulp-Gemälde sind auf einer Reihe dieser Alben zu sehen. Hier können die Besucher den Originalen im Originalformat begegnen – darunter Arbeiten, die für Aufnahmen von Johanna Summer verwendet wurden, deren künstlerisches Schaffen sich zwischen Jazz und klassischer Tradition bewegt. Am Sonntag, dem 13. September, wird Summer inmitten der Ausstellung auftreten und diesen Austausch in eine Live-Situation überführen.
„Aus den Augen, aus dem Sinn“ – diese Redewendung beschreibt ein vertrautes Phänomen: Was aus dem Blickfeld verschwindet, kann auch schnell aus dem Bewusstsein rücken. Für Strunz dient sie als Linse, durch die sich die heutige beschleunigte Zeitlichkeit betrachten lässt – eine Zeitlichkeit, in der das Neue beständig das Vorangegangene verdrängt. Ihr Ansatz untersucht, wie sich diese Geschwindigkeit auf unsere Umgebung auswirkt. Mit der Intensivierung der Dauer zieht sich das Volumen zusammen oder faltet sich nach innen, wodurch das entsteht, was sie als „posttraumatische Kompression von Raum und Zeit“ bezeichnet.
In jüngster Zeit beginnt sich diese Logik umzukehren. Sie spricht vom Entfalten, vom Zulassen dessen, was entstehen kann. Angesichts einer düsteren Realität gewinnt die Möglichkeit, Zukunftsvisionen zu entwerfen, an Dringlichkeit – ohne dabei die bestehende Schwere zu ignorieren. Are We Enfolding or Going to Unfold (2022), eine große Konstruktion aus pulverbeschichtetem Stahl, verleiht diesem Spannungsfeld physische Gestalt. Ihre Geometrie vermittelt ein Gefühl von Bewegung und wirft zugleich die Frage auf, ob sich eine Struktur in sich selbst verschließt oder Raum für andere lässt. Expansion wird zu einem aktiven Angebot, zu einer Einladung an das Geschehen, sich zu entfalten.
Musik hat ihr Empfinden seit der Kindheit geprägt. Sie sang geistliches Repertoire in Chören, lauschte dem Nachhall der Stimmen in der Kirchenarchitektur und fühlte sich mit früheren Generationen verbunden. Später schulte der Klavierunterricht ihr Verständnis für Abstraktion und Komposition während ihres Kunststudiums. Diese Disziplin spiegelt sich bis heute in einer präzisen Arbeitsweise wider, bei der Addition und Subtraktion sorgfältig aufeinander abgestimmt werden, um ein Gleichgewicht zu erzielen.
Shift (2012) verlagert diese Fragestellungen in einen anderen Kontext. Die Collage verwendet eine Schwarz-Weiß-Reproduktion des Jüngsten Gerichts – einem dem flämischen Maler Hans Memling zugeschriebenen Werk aus der Zeit zwischen 1467 und 1471. Indem sie den Fokus auf Eva legt, überführt Strunz die biblische Vertreibung in eine emotionale Sphäre, die von Angst und dem Trauma des Falls geprägt ist. Ein kanonisches Bild wird durch ihre eigene Formensprache neu interpretiert; auf diese Weise verliert die überlieferte Geschichte ihre Festigkeit und gewinnt zugleich eine neue Unmittelbarkeit.
In der gesamten Ausstellung wird das Vergangene nicht als etwas behandelt, das sicher hinter uns liegt. Strunz fragt danach, wohin es sich bewegt und was verloren geht, wenn sich das Bewusstsein auf den nächsten Schritt richtet. Sie begreift Präsenz als eine Fähigkeit, die einen aufmerksameren Umgang mit der Erinnerung ermöglicht und zugleich offenlässt, was kommen mag. Letztlich ist der Betrachter dazu eingeladen, die Wahrnehmung zu entschleunigen, bei jeder einzelnen Form zu verweilen und wahrzunehmen, was sonst womöglich entschwinden würde.
Text: Nicolas Vamvouklis